Ein Blog ist zunächst nur ein Format. Journalistisch wird er durch das, was darin passiert: eigene Recherche, Quellen, Einordnung, Trennung von Bericht und Meinung, Unabhängigkeit von denen, über die berichtet wird. Diese Massstäbe setzt der Journalistenkodex des Schweizer Presserats (Schweizer Presserat, Journalistenkodex); er gilt formell für Medienschaffende, taugt aber für jeden Blog als Prüfliste.
Drei Fragen, die Klarheit schaffen
- Für wen schreiben Sie? Für Leserinnen und Leser, die etwas erfahren wollen – oder für Marken, die etwas verkaufen wollen? Werbung, Affiliate-Links und bezahlte Kooperationen sind erlaubt, müssen aber als solche erkennbar sein. Verdeckte Werbung verstösst gegen das Lauterkeitsrecht (Art. 3 UWG); die Lauterkeitskommission verlangt klare Kennzeichnung kommerzieller Kommunikation (Schweizerische Lauterkeitskommission).
- Woher kommen die Informationen? Journalistische Beiträge nennen Quellen, prüfen Behauptungen und holen bei Kritik die Gegenseite ein. Wer nur Pressemitteilungen umformuliert oder Produkte beschreibt, berichtet nicht.
- Wie regelmässig erscheinen Sie? Ein Blog mit monatlichen Beiträgen über Jahre ist eine Tätigkeit; drei Beiträge im letzten Jahr noch nicht.
Beispiele aus der Praxis
Ein Reiseblog, der Destinationen testet, Preise vergleicht und Pressereisen offenlegt, arbeitet journalistisch. Ein Reiseblog, der Hotels gegen Gratisübernachtung lobt, nicht. Ein Food-Blog mit Rezepten ist Publizistik, aber kein Journalismus; derselbe Blog mit Recherchen zu Lebensmittelkennzeichnung, Interviews mit Produzenten und Markttests schon. Ein Tech-Blog mit unabhängigen Tests zählt; ein Blog, der Affiliate-Produkte bewirbt, nicht.
Wer sich im zweiten Beispiel wiedererkennt, kann den Blog journalistischer machen: Recherche, Quellen, Gegenseite, Kennzeichnung. Danach ist auch der SVFJ-Presseausweis eine Option. Wie Veranstalter und Pressestellen Blogger behandeln, steht unter Akkreditierung.